09.01.2022 RKG Freiburg verliert im Bundesliga-Playoff den Achtelfinal-Hinkampf gegen Kleinostheim mit 8:19

Die Überraschung blieb zwar aus, aber die Ringer der RKG Freiburg boten den Fans feine Ringkampfkost.

Vor rund 250 Zuschauern in der Staudingerhalle zogen die Mannen um die RKG-Trainer Luigi Tascillo und Ion Vasilachi gegen die selbsternannten „Warriors“ (Krieger) aus Bayern jedoch den Kürzeren. Die Chancen der Breisgauer auf ein Weiterkommen durch einen hohen Sieg im Rückkampf tendieren gegen null. Es war ein würdiger Abschied für den scheidenden Coach Tascillo, der, so wie er sich es gewünscht hatte, nach jahrzehntelanger Tätigkeit auf und neben der Matte sich in den wohlverdienten „Unruhestand“ begibt. Sichtlich gerührt und mit einer Träne im Knopfloch ließ er sich vor den Mattenduellen von den lang anhaltenden stehenden Beifallsbekundungen nach der Laudatio noch einmal so richtig hochleben.
Vor der Pause präsentierten sich die Freiburger mit der Gästestaffel fast auf Augenhöhe – es stand im Mannschaftsergebnis nur 6:7. Im Auftaktkampf musste sich im Freistil Mihail Lapp dem deutschen Meister von 2019, Niklas Stechele, mit 2:6 Punkten geschlagen geben. Danach zeigte RKG-Schwergewichtler Maximilian Remensperger einen couragierten Auftritt und musste dem mehrfachen DM-Medaillengewinner Marc Bonert lediglich einen 3:1-Punktsieg überlassen.

Lars Schäfle sorgt für die ersten Punkte der RKG

Ein kurzes Gastspiel widerfuhr dann Mirco Rodemich (61 Kilo) gegen den bereits bei internationalen Titelkämpfen eingesetzten Ungarn Krisztian Kecskemeti. Nach 1:26 Minuten war der Schultersieg für den Ringer des Teams aus Bayern in trockenen Tüchern.

Nun schlug aber die Stunde für die Breisgauer. Zunächst war es RKG-Athlet Lars Schäfle (98 Kilo), der für die ersten Teampunkte auf der Anzeigetafel sorgte. Der U-23-WM-Dritte hatte Christoph Henn über die gesamte Kampfzeit fest im Griff. Schäfle sicherte sich gegen den passiven und nur um Schadensbegrenzung bemühten Kleinostheimer einen mehr als verdienten 8:0-Punktsieg – der seinem Team nach der Ringer-Arithmetik für Teamkämpfe drei Mannschaftspunkte einbrachte. Die spektakulärsten Aktionen sah das stimmgewaltige Rund im Freistil-Leichtgewicht. RKG-Neuzugang David Brenn erlebte dabei im Duell mit Ilir Sefai eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Nach einer 4:2-Führung brachte er sich selbst in die Bredouille und verhinderte nur knapp eine Schulterniederlage, ehe er sich wieder berappelte. Mit lehrbuchreifen Griffaktionen sorgte er gegen den konditionell nachlassenden Sefai unter ohrenbetäubenden Anfeuerungsrufen schließlich für einen klaren 14:5-Punktsieg. „Es war mein erster Playoff-Kampf, und die ehemaligen Kollegen aus Tennenbronn, die auf der Tribüne mit ihren Trommeln für gehörig Stimmung sorgten, haben mich motiviert. Ich habe schon lange keinen so guten Kampf mehr abgeliefert“, sagte Brenn und zeigte sich mit seinem Auftritt hochzufrieden.

Andrej Janzen weilte noch in Kasachstan

Danach war aber wieder die Gästestaffel tonangebend. Pascal Eisele, seines Zeichens Europameister 2016 und WM-Dritter 2017, sorgte mit seiner gefürchteten Kopfklammer für einen standesgemäßen 10:0-Punktsieg über Marc Fischer. Einer undankbaren Aufgabe stellte sich anschließend Leon Gerstenberger (71 Kilo). Der eigentlich im Freistil beheimatete RKG-Ringer musste für den noch über den Jahreswechsel in Kasachstan weilenden Andrej Janzen im ungewohnten Greco-Stil als „Ersatz“ auf die Matte. Gegen Artur Tatarinov zeigte sich Gerstenberger trotz der 0:10-Punktniederlage keineswegs betrübt. „Meinen letzten Kampf im griechisch-römischen Stil hatte ich vor fünf Jahren in der zweiten Mannschaft in Nendingen. So bin ich ganz zufrieden, wie es gelaufen ist. Ich konzentriere mich jetzt auf ein EM-Qualifikationsturnier in zwei Wochen in Nizza“, sagte Gerstenberger mit Blick auf kommende Aufgaben.

In den zwei abschließenden Weltergewichtsklassen (75 Kilo) durfte der RKG-Anhang noch einmal jubeln. Nach der knappen 4:7-Niederlage von Valentin Petic gegen Alexandrin Gutu sorgte Maxim Sacultan beim 3:0-Punkterfolg gegen Saba Bolaghi für einen versöhnlichen Ausklang eines playoff-würdigen Kampfabends. – und für das Endresultat von 8:19.

In seinem wohl letzten Kampf am Mattenrand am kommenden Samstag in Kleinostheim wünscht sich Luigi Tascillo von seinen Athleten eine ähnlich gute Einstellung wie beim Duell in der Staudingerhalle. „Alle unsere Ringer haben alles gegeben und sind teilweise über sich hinausgewachsen. Wir wollen in Unterfranken den einen oder anderen Kampf mehr gewinnen.“

Bericht aus: BZ-Plus Thomas Fehrenbach,
09.01.2022