Sponsoren

KLICK zur Mediathek

News                                                                                                          

Danke Lulu – gelungener Abschied

 

Trotz einer 19:14 Auswärtsniederlage beim SC Kleinostheim verabschiedeten sich unsere RKG Ringer mit einer starken Leistung aus den Playoff-Finals.

 

Gleichzeitig war es auch die Abschiedsvorstellung von unserem langjährigen Trainer Luigi Tascillo. Gelungener könnte es nicht gewesen sein. Die letzten beiden regulär ausgetragenen Mannschaftsrunden waren, jeweils mit dem erreichen der Playoffs, die erfolgreichsten der RKG Historie – Danke Lulu.

 

Dass die RKG auswärts bereit war, den „Siegfried Warriors“ die Zähne zu zeigen wurde schnell klar. Im zweiten Kampf des Abends bewies Nick Matuhin, dass Schwergewichtler sich nicht zwangsläufig auf der Matte nur hin- und herschieben können. Mit drei 4er Wertungen seitens Nick und einer 4er Wertung von Tim Zewetzki sahen die Fans spektakuläre Griffaktionen. Der 22:4 Überlegenheitssieg von Nick war Ringkampfkost vom Feinsten, der die Fans von den Sitzen riss.
 

Chancenlos hingegen Mihail Lapp (57kg Greco) gegen das ausländische Ringer-As von Kleinostheim, Adam Burak Uzu. Dies galt ebenso für Mirco Rodemich (66kg Gr) gegen Christopher Kraemer wie auch beim Kampf von David Brenn (61kg Fr) gegen Niklas Stechele. Hier kam noch als Wermutstropfen hinzu, dass David minimal am Gewichtslimit scheiterte.

 

Wie man gegen einen Europameister (2016) und 3. Weltmeister (2017) das Ergebnis auch knapphalten kann, demonstrierte Maxi Remensperger gegen den deutschen Top-Ringer Pascal Eisele. Lediglich einmal konnte das Aushängeschild vom SC mit seiner gefürchteten Kopfklammer punkten. Ansonsten ging Maxi die ringerische Schlagzahl über die volle Zeit mit. Unterm Strich eine überzeugende Vorstellung, trotz der 0:4 Punktniederlage.

 

Die Livestream Kommentatoren vom SC hofften auf eine Revanche von ihrem „Warrior“ Christoph Henn (86kg Fr) gegen Lars Schäfle. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, in diesem Fall in der zweiten Runde. Mit zwei technisch brillanten Stand-, Bodenkombinationen holte Lars acht Punkte und legte weiter nach. Am Ende stand ein noch deutlicherer 12:1 Punktsieg als im Vorkampf – Chapeau!

 

Das zweite deutsche Aushängeschild des SC, Saba Bolaghi (71kg Fr) tat sich mit zunehmender Kampfdauer schwerer gegen Leon Gerstenberger. Dennoch musste Leon dem, auch international Erfahrenen Saba Bolaghi, einen 8:3 Punktsieg überlassen. Dagegen konnte Marc Fischer (80kg Gr) nur Schadensbegrenzung leisten, bei seiner 2:14 Punktniederlage gegen Alexandrin Gutu.

 

Die letzten beiden Kämpfe gehörten wiederum der RKG Freiburg. Dabei demontierte Valentin Petic (75kg Gr) Artur Tatarinov technisch nach allen Regeln der Ringkampfkunst.

Noch ein Ticken besser machte es Maxim Sacultan (75kg Fr) im Kampf gegen Tino Rettinger. Der von den Kommentatoren hochgelobte Rettinger bekam in der zweiten Runde zu spüren, wo der Hammer hängt. Mit einem Schultersieg beendete Maxim seine vorzügliche Bundesligarunde bei der RKG, wie auch ebendiese – besser geht nicht!

 

17.01.2022

Die RKG Freiburg verliert im Bundesliga-Playoff den Achtelfinal-Hinkampf gegen Kleinostheim mit 8:19

 

Die Überraschung blieb zwar aus, aber die Ringer der RKG Freiburg boten den Fans feine Ringkampfkost.


Vor rund 250 Zuschauern in der Staudingerhalle zogen die Mannen um die RKG-Trainer Luigi Tascillo und Ion Vasilachi gegen die selbsternannten "Warriors" (Krieger) aus Bayern jedoch den Kürzeren. Die Chancen der Breisgauer auf ein Weiterkommen durch einen hohen Sieg im Rückkampf tendieren gegen null. Es war ein würdiger Abschied für den scheidenden Coach Tascillo, der, so wie er sich es gewünscht hatte, nach jahrzehntelanger Tätigkeit auf und neben der Matte sich in den wohlverdienten "Unruhestand" begibt. Sichtlich gerührt und mit einer Träne im Knopfloch ließ er sich vor den Mattenduellen von den lang anhaltenden stehenden Beifallsbekundungen nach der Laudatio noch einmal so richtig hochleben.
Vor der Pause präsentierten sich die Freiburger mit der Gästestaffel fast auf Augenhöhe – es stand im Mannschaftsergebnis nur 6:7. Im Auftaktkampf musste sich im Freistil Mihail Lapp dem deutschen Meister von 2019, Niklas Stechele, mit 2:6 Punkten geschlagen geben. Danach zeigte RKG-Schwergewichtler Maximilian Remensperger einen couragierten Auftritt und musste dem mehrfachen DM-Medaillengewinner Marc Bonert lediglich einen 3:1-Punktsieg überlassen.

Lars Schäfle sorgt für die ersten Punkte der RKG


Ein kurzes Gastspiel widerfuhr dann Mirco Rodemich (61 Kilo) gegen den bereits bei internationalen Titelkämpfen eingesetzten Ungarn Krisztian Kecskemeti. Nach 1:26 Minuten war der Schultersieg für den Ringer des Teams aus Bayern in trockenen Tüchern.

Nun schlug aber die Stunde für die Breisgauer. Zunächst war es RKG-Athlet Lars Schäfle (98 Kilo), der für die ersten Teampunkte auf der Anzeigetafel sorgte. Der U-23-WM-Dritte hatte Christoph Henn über die gesamte Kampfzeit fest im Griff. Schäfle sicherte sich gegen den passiven und nur um Schadensbegrenzung bemühten Kleinostheimer einen mehr als verdienten 8:0-Punktsieg – der seinem Team nach der Ringer-Arithmetik für Teamkämpfe drei Mannschaftspunkte einbrachte. Die spektakulärsten Aktionen sah das stimmgewaltige Rund im Freistil-Leichtgewicht. RKG-Neuzugang David Brenn erlebte dabei im Duell mit Ilir Sefai eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Nach einer 4:2-Führung brachte er sich selbst in die Bredouille und verhinderte nur knapp eine Schulterniederlage, ehe er sich wieder berappelte. Mit lehrbuchreifen Griffaktionen sorgte er gegen den konditionell nachlassenden Sefai unter ohrenbetäubenden Anfeuerungsrufen schließlich für einen klaren 14:5-Punktsieg. "Es war mein erster Playoff-Kampf, und die ehemaligen Kollegen aus Tennenbronn, die auf der Tribüne mit ihren Trommeln für gehörig Stimmung sorgten, haben mich motiviert. Ich habe schon lange keinen so guten Kampf mehr abgeliefert", sagte Brenn und zeigte sich mit seinem Auftritt hochzufrieden.

Andrej Janzen weilte noch in Kasachstan


Danach war aber wieder die Gästestaffel tonangebend. Pascal Eisele, seines Zeichens Europameister 2016 und WM-Dritter 2017, sorgte mit seiner gefürchteten Kopfklammer für einen standesgemäßen 10:0-Punktsieg über Marc Fischer. Einer undankbaren Aufgabe stellte sich anschließend Leon Gerstenberger (71 Kilo). Der eigentlich im Freistil beheimatete RKG-Ringer musste für den noch über den Jahreswechsel in Kasachstan weilenden Andrej Janzen im ungewohnten Greco-Stil als "Ersatz" auf die Matte. Gegen Artur Tatarinov zeigte sich Gerstenberger trotz der 0:10-Punktniederlage keineswegs betrübt. "Meinen letzten Kampf im griechisch-römischen Stil hatte ich vor fünf Jahren in der zweiten Mannschaft in Nendingen. So bin ich ganz zufrieden, wie es gelaufen ist. Ich konzentriere mich jetzt auf ein EM-Qualifikationsturnier in zwei Wochen in Nizza", sagte Gerstenberger mit Blick auf kommende Aufgaben.

In den zwei abschließenden Weltergewichtsklassen (75 Kilo) durfte der RKG-Anhang noch einmal jubeln. Nach der knappen 4:7-Niederlage von Valentin Petic gegen Alexandrin Gutu sorgte Maxim Sacultan beim 3:0-Punkterfolg gegen Saba Bolaghi für einen versöhnlichen Ausklang eines playoff-würdigen Kampfabends. – und für das Endresultat von 8:19.

In seinem wohl letzten Kampf am Mattenrand am kommenden Samstag in Kleinostheim wünscht sich Luigi Tascillo von seinen Athleten eine ähnlich gute Einstellung wie beim Duell in der Staudingerhalle. "Alle unsere Ringer haben alles gegeben und sind teilweise über sich hinausgewachsen. Wir wollen in Unterfranken den einen oder anderen Kampf mehr gewinnen."

 

Bericht aus: BZ-Plus Thomas Fehrenbach,09.01.2022

RKG fiebert 1/8-Finale entgegen


Die RKG Freiburg trifft in den Ringer-Playoffs auf Kleinostheim – und hofft, weiterhin gegen das Coronavirus erfolgreich zu sein.


Die Playoffs sind in jeder Sportart der Höhepunkt einer Saison – und so fiebern die Ringer der RKG Freiburg dem Achtelfinal-Hinkampf am Samstag (19.30 Uhr/Staudingerhalle) entgegen. Die Vorfreude bei den RKG-Mattensportlern ist groß, aber auch der Respekt vor zwei Gegnern: der favorisierten Mannschaft des SC Kleinostheim und dem Coronavirus. Letzteres schwirrt so hartnäckig in der Luft herum, dass derzeit nicht sicher vorherzusagen ist, ob in dieser Runde ein deutscher Meister ermittelt werden kann oder die Playoffs vorzeitig enden.
Die Vorteile der RKG: Im Hinkampf gegen Kleinostheim sprechen einige Punkte für die Mannschaft der Trainer Luigi Tascillo und Ion Vasilachi. Der Wichtigste: Die Freiburger haben bis auf den Feuerwehrmann Mihail Bradu bereits alle ausländischen Ringer hier im Training. Somit wissen die Coaches über den Trainingszustand von Mihail Lapp, Maxim Sacultan und Valentin Petic Bescheid. Das kann wegen der Pandemie-Bestimmungen ein großes Plus sein. Andere Teams scheitern vielleicht damit, wenn sie die Ringer aus dem Ausland kurzfristig einfliegen lassen und sich dann Schwierigkeiten ergeben. Dass alle ausländischen RKG-Sportler ebenso wie Vasilachi aus Moldau kommen, ist zudem für das Mannschaftsgefüge alles andere als ein Nachteil. "Wir sind komplett startbereit, hoch motiviert und wollen, dass der Kampfabend ein richtiges Ereignis wird für die Zuschauer, die uns unterstützen", sagt Tascillo, der sein Traineramt nach vielen Jahren zum Saisonende abgeben wird und der bereits beim Achtelfinal-Heimkampf vom Verein offiziell verabschiedet sind. Tascillos Wunsch: "Wir wollen ein knappes Ergebnis erreichen, so dass wir im Rückkampf in einer Woche, bei dem wir aufgrund des Stilartenwechsels noch stärker aufstellen können, eine echte Chance aufs Erreichen des Viertelfinals haben."
Die Nachteile der RKG: Die Staffel aus dem Breisgau ist in Sachen Besetzung ziemlich gut auszurechnen. Für einen Aufstellungspoker fehlen der Mannschaft die personellen Alternativen. Die Freiburger können von Glück sagen, dass sie in dieser Saison von schweren Verletzungen fast völlig verschont geblieben sind, sonst wäre die Playoff-Teilnahme womöglich gar nicht erreicht worden. Der Gegner aus dem 8000-Einwohner-Städtchen Kleinostheim (Landkreis Aschaffenburg) hat bezüglich des Kaders einige Möglichkeiten mehr zu bieten. Der Erstplatzierte der Bundesliga-Ost-Gruppe aus Unterfranken setzte in dieser Saison bisher 19 Athleten ein (RKG Freiburg: 16) – deutsche Ringer, inzwischen mit einem deutschen Pass ausgestattete Sportler und in Krisztián Kecskeméti (61 Kilo/ griechisch-römischer Stil) sowie dem Vize-Europameister und Olympia-Fünften Süleyman Karadeniz (98 Kilo/ Freistil) zumindest zwei hochkarätige Kämpfer aus dem Ausland. Ob der Ungar und der Türke, der auf U-23-WM-Bronzemedaillengewinner Lars Schäfle treffen dürfte, auch in Freiburg dabei sein werden?

Die Lage der Liga: Eine Mannschaft steht bereits im Viertelfinale – kampflos. Der RSV Rotation Greiz muss nicht rotieren, weil der ASV Urloffen nicht antreten wird. Die Ringer aus dem Meerrettichdorf beendeten die Südwest-Gruppe in der Bundesliga als Überraschungszweiter, gewannen dabei zweimal gegen die RKG Freiburg und rangen Südbadens drittem Playoff-Vertreter TuS Adelhausen ein Remis ab. Urloffen wäre als Favorit gegen den Drittplatzierten der Gruppe Ost in die Kämpfe gegangen. Doch aufgrund von Verletzungen, Erkrankungen und internationalen Trainingslagern, so steht es jedenfalls auf der Homepage des Vereins, werden sie nicht zu den Playoffs antreten. Ein Schlag ins Gesicht – für den Verein, aber auch die ganze Liga. Immerhin: Die anderen sieben Achtelfinals finden – Stand heute – allesamt statt.

Die Bedingungen für die Zuschauer: Im Gegensatz zu den bayerischen Vereinen – wie zum Beispiel Meister Wacker Burghausen – sind beim Heimkampf der RKG Freiburg Zuschauer zugelassen. 430 Besucher sind am Samstag möglich, die Staudingerhalle darf also bis zu 50 Prozent ausgelastet sein. Für die Zuschauer gilt die 2G-plus-Regel. Das bedeutet, dass die Fans geboostert sein oder zusätzlich zum 2G-Nachweis einen (tagesaktuellen) negativen Testnachweis vorlegen müssen. Der Verein bietet ein Schnelltestzentrum vor Ort an.

Bericht aus: BZ-Plus, Georg Gulde, 06.12.2022

Playoff Knaller

 

Lulus Trainer-Ära endet

 

Mit einem echten Knaller endet die Ära unseres RKG Trainers Luigi Tascillo. Der SC Kleinostheim, Tabellenerster der Bundesliga Ost, verspricht Ringkampfkost vom Feinsten beim Playoff 1/8 Finale um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft (DMM) am Samstag, 08.01.2022, in der Staudingerhalle (19.30 Uhr).
Gegen die „Siegfried Warriors“ aus Hessen, DMM-Mitfavorit, wird Lulu zum letzten Mal auf dem Trainerstuhl, vor heimischem Publikum, Platz nehmen. Dabei ist Hochspannung garantiert, sind die Gäste doch gespickt mit nationalen wie internationalen Top-Athleten.
Klar ist, die Mannen von Lulu werden alles reinhauen, um „ihrem“ Trainer, einen tollen Abschied zu ermöglichen.
Vor allem die starke SC-Deutschachse, mit aktuellen DRB Perspektivkaderringern wie Niklas Stechele (57kg Fr), Christopher Kraemer (66kg Gr), Tino Rettinger (75kg Fr), Pascal Eisele (80kg Gr) sowie Routiniers vom Schlage eines Saba Bolaghi (71kg Fr), Marcus Plodek (86kg Fr), Gabriel Stark (98kg Fr) und Marc Bonert (130kg Gr), verspricht spannende Begegnungen.

 

06.01.2022

Tränen der Freude


Im Interview spricht Luigi Tascillo, der scheidende Trainer des Ringer-Bundesligisten und Playoff-Teilnehmers RKG Freiburg, über Erfolge und 200-Prozent-Menschen.


Luigi Tascillo steht kurz vor dem Ende seiner Tätigkeit als Trainer des Ringer-Bundesligisten RKG Freiburg. 28 Jahre hat er verschiedene Ringer-Teams gecoacht, am Samstag könnte sein letzter Heimkampf sein, falls sich die RKG im Playoff-Achtelfinale nicht gegen den SC Kleinostheim durchsetzt. Warum er so lange Übungsleiter war, welches die schönsten sowie unschönsten Erlebnisse waren und wie er einmal einen Kampfrichter überlistete, darüber sprach er mit Georg Gulde.


BZ: Herr Tascillo, das ist eine heikle Situation, die Ihnen am kommenden Samstagabend bevorsteht – oder?
Tascillo: Inwiefern denn heikel?


BZ: Na ja, es sind Playoffs, aber Sie können ja nicht offiziell verabschiedet werden. Das würde von den Fans womöglich als vorzeitiges Scheitern im Achtelfinale gegen Kleinostheim gewertet.
Tascillo: Doch, ich werde am Samstagabend offiziell verabschiedet. Das haben wir im Verein so besprochen. Ich will mich bei einem Kampf in eigener Halle verabschieden, bei dem Zuschauer anwesend sind. Das ist ein Herzenswunsch. Wenn wir uns in Hin- und Rückkampf gegen Kleinostheim durchsetzen sollten, gibt es einen weiteren Fight in der Staudingerhalle – gegen Adelhausen oder Schorndorf. Aber angesichts der Corona-Pandemie kann keiner seriös voraussagen, ob dann am 22. Januar auch noch Zuschauer dabei sein dürfen. Und einen Abschied ohne Zuschauer, das kann ich mir nur ganz schwer vorstellen.


BZ: Wie wird also die Vorgehensweise des RKG-Vorstands sein?
Tascillo: Er wird sicher mir einen kleinen Teil des Kampfabends widmen. Und ich werde voraussichtlich gerührt sein und ein paar Worte an die Besucher richten. Aber es ist ein Playoff-Kampf – und da sollen dann auch die Ringer im Mittelpunkt stehen.

BZ: Wer zehn Jahre als aktiver Ringer dabei war, in allen Gewichtsklassen gekämpft hat und danach in Waldkirch, Kollnau, Gutach-Bleibach und Freiburg insgesamt 28 Jahre Trainer gewesen ist, der hat einiges erlebt. An was erinnern Sie sich am liebsten?
Tascillo: Da gibt es so viele schöne Momente. Als Jugendlicher war es ein tolles Gefühl, die erste Medaille von einem internationalen Turnier nach Hause zu bringen. Unbeschreiblich schön fand ich auch, als ich erstmals italienischer Juniorenmeister geworden bin. Oder als Trainer, wenn eine Mannschaft so zusammenhält und einen Gegner schlägt, der klar favorisiert war.

"Ich habe mir gesagt, so will ich nicht abtreten."

 

BZ: Welche Ereignisse haben Sie konkret vor Ihrem geistigen Auge?
Tascillo: Der Aufstieg mit dem ASV Kollnau in die zweite Liga in den 1980er Jahren, das Erreichen der Bundesliga-Playoffs mit der RKG Freiburg 2019/20 und 2021/22. Da hatte ich Tränen der Freude in den Augen. Und, das halte ich für ganz wichtig: Es gab im Ringen viele Situationen, und das waren beileibe nicht nur Erfolge, aus denen ich fürs alltägliche Leben, in dem es ja auch Probleme und Niederlagen gibt, gestärkt hervorgegangen bin. Manchmal hat der Sport die Schwierigkeiten auch einfach verdrängt.

 

BZ: Welches Ringererlebnis würden Sie gern aus Ihrem Gedankenschatz streichen?
Tascillo: Ich habe mich schwergetan, wenn ich gegen Leute verloren hatte, bei denen ich gedacht habe, ich würde sicher gegen sie gewinnen. Schwierig war es auch, wenn mir ein Fehler unterlaufen ist bei der Aufstellung oder beim Schreiben des Aufstellungsprotokolls. Wenn das nicht rechtzeitig entdeckt wird, dann musst du vor die Mannschaft hintreten und sagen: "Jungs, ihr habt euch gut vorbereitet. Aber wir verlieren heute den Kampf mit 0:40, weil ich einen Fauxpas begangen habe." Das ist nicht einfach.

 

BZ: Wie oft ist Ihnen so etwas bei Mannschaftskämpfen passiert?
Tascillo: Ich denke, zwei- bis dreimal sind mir solche Fehler unterlaufen. Ich hoffe, dass das in 28 Jahren eine noch vertretbare Quote ist.

 

BZ: Was war Ihr skurrilstes Ereignis als Trainer?
Tascillo: Ich glaube das war 2017 beim Bundesliga-Heimkampf gegen Neckargartach. Da habe ich mich flach an den Mattenrand gelegt und dem Kampfrichter bedeutet, dass er den Kampf abpfeifen und dass unser damaliger Ringer Manuel Wolfer zum Sieger erklärt werden muss.

 

BZ: Da hilft das BZ-Archiv weiter. Es war im Oktober 2017 im Freien Stil bis 66 Kilo – tatsächlich gegen Neckargartach. Wolfer traf auf den in jener Saison bis zu diesem Zeitpunkt ungeschlagenen Türken Recep Topal. Wolfer lag bei einem Zangenangriff seines Gegners wohl schon selbst auf dem Buckel.
Tascillo: Ja, und dann sah ich, dass Topal zu weit nach vorn kippte und seine Schultern auch die Matte berührten. Ich intervenierte verbal sehr heftig, der Kampfrichter schaute dann anders auf die Situation – und pfiff ab. Dann erklärte er, zur Überraschung der Zuschauer, Manuel Wolfer zum Sieger. Das war eigentlich nicht korrekt, weil sein Gegner den Griff ausgeführt hatte.

 

BZ: Sie wollten schon 2020/21 Ihre letzte Trainersaison antreten. Es kam die Pandemie, die Runde fiel fast komplett aus.
Tascillo: Da habe ich mir gesagt, so will ich nicht abtreten. Deshalb war ich in dieser Runde nochmal dabei. In Ion Vasilachi habe ich meines Erachtens einen idealen Nachfolger gefunden. Er leitet schon seit fast zwei Jahren die Übungseinheiten oft allein. Er ist in taktischen und kampftechnischen Dingen ein vorzüglicher Trainer. Meine Rolle bestand zuletzt vor allem darin, ihm organisatorisch zu helfen.

 

BZ: Haben Sie einmal zusammengerechnet, wie viel Zeit Sie dem Ringen gewidmet haben?
Tascillo: Schwierig zu sagen. Zumindest habe ich mich aber mehr als die Hälfte meines Lebens irgendwie mit dem Sport beschäftigt. Es gibt als Trainer kaum Tage, in denen das Ringen völlig außen vor ist.

 

BZ: Hat sich das denn gelohnt?
Tascillo: Auf alle Fälle. Ich messe die Zeit fürs Ringen nicht an Materiellem, sondern am Vergnügen, an der Leidenschaft und am Erfolg.

 

BZ: Auf was freuen Sie sich am meisten, wenn Sie nach dieser Saison im Ringer-Ruhestand sind?
Tascillo: Auf viele Sachen. Bisher war es so, dass ich manchmal den Urlaub vorzeitig beendet habe, weil mit den Teams die Saisonvorbereitung anstand. Manchmal verzichtete ich des Ringens wegen auf Familienfeste in Italien – und die sind dort noch fast wichtiger als in Deutschland.

 

BZ: Fühlen Sie sich inzwischen mehr als Deutscher oder Italiener?
Tascillo: Ich sage immer: Ich bin ein 200-Prozent-Mensch. Wenn ich in Italien bin, bin ich zu 100 Prozent Italiener – und rede mehr mit Händen und Füßen als mit dem Mund. Bin ich in Deutschland, dann bin ich zu 100 Prozent Deutscher – mit Werten wie Pünktlichkeit und Disziplin.

"Da bekommt man schlechte Laune, wird muffelig."

 

BZ: Sie haben mal gesagt: Das Gewichtmachen beim Ringen ist nicht gerade beziehungsförderlich. Weshalb?
Tascillo: Ich musste zu meiner aktiven Zeit oft sechs bis acht Kilo Gewicht reduzieren. Sonntag, Montag, Dienstag konnte ich normal essen. Aber von Mittwoch bis Samstagabend durfte ich fast nichts essen, sondern nur trinken. Da bekommt man schlechte Laune, wird muffelig. Das lässt man manchmal an seinem Umfeld aus.


BZ: Einer Ihrer Lieblingssätze lautet: "Am Ende kackt die Ente." Gilt der Satz auch für das Playoff-Achtelfinale gegen Kleinostheim?
Tascillo: Ja klar. Vor zwei Jahren im Viertelfinale gegen Nackenheim hatten wir keine Chance, da war schon nach dem Hinkampf klar, dass Endstation sein wird für uns. Nun gibt es ein Achtelfinal-Duell gegen den SC Kleinostheim, der zwar favorisiert ist, aber nicht so eindeutig wie Nackenheim damals. Zudem können wir im Rückkampf tendenziell stärker aufstellen, besonders in den oberen Gewichtsklassen. Wenn wir den Hinkampf knapp gestalten, ist eine Woche später in Kleinostheim noch alles drin für uns. Und dann gilt auch der Satz mit der Ente.


Luigi Tascillo kam als Siebenjähriger mit seinen Eltern aus der italienischen 5000-Einwohner-Gemeinde Caiazzo nach Deutschland – und zwar im Jahr 1969. Als Junge begeisterte sich Luigi Tascillo für den Ringkampfsport. In Italien brachte er es dreimal zu einem nationalen Meistertitel. Die deutsche Staatsbürgerschaft nahm er 1994 an. Seit 19 Jahren arbeitet er als medizinischer Berater für das amerikanisch-englische Unternehmen Smiths Medical im süddeutschen Raum. Seit 2012 ist Tascillo – mit einem Jahr Unterbrechung – Trainer bei der RKG Freiburg, die der 59-Jährige nun zweimal in Folge in die Playoffs um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft führte.
 
 
Aus: BZ-Plus, Georg Gulde, 03.01.2022