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Februar 2020

Schäfle verpasst Bronzemedaille ganz knapp

 

EM-Debütant aus Freiburg wird nach starkem Turnier Fünfter.
ROM/FREIBURG (gg/dpa). Bei der Ringer-Europameisterschaft in Rom haben auch die deutschen Freistil-Kämpfer überzeugt … Am Sonntag verpasste Lars Schäfle von der RKG Freiburg, der in den USA studiert und eigens für die EM über den "großen Teich" geflogen war, im Kampf um Bronze eine Medaille ganz knapp.
Schäfle, Debütant bei einer Aktiven-Europameisterschaft, durfte an zwei Wettkampftagen ran. Der 20-Jährige verlor zwar am Samstag sein Achtelfinale in der Freistil-Gewichtsklasse bis 86 Kilo gegen den späteren Silbermedaillengewinner Myles Nazem Amine aus San Marino vorzeitig mit 0:10 Punkten. Da der WM-Fünfte von 2019, der aus den USA stammt und wegen der Staatsbürgerschaft des Großvaters seiner Mutter für San Marino startet, nach zwei weiteren Siegen das Finale erreichte, konnte Schäfle aber in der Hoffnungsrunde gegen Hovhannes Mkhitaryan antreten. "Der Armenier fällt dummerweise vermutlich auch nicht von alleine um", teilte Lars Schäfles Vater Hartmut der BZ süffisant mit.

Freiwillig fiel Mkhitaryan nicht, aber er fiel nach Angriffen des Breisgauers mehrfach zu Boden. Der Lohn für Schäfle: Er gewann mit 7:2 Punkten und erreichte das Duell um Platz drei. Diesen Kampf verlor er am Sonntagabend gegen den Weißrussen Rasul Tsikhayeu knapp mit 4:5 nach Punkten. Nach einem 1:5-Rückstand 54 Sekunden vor Schluss der sechsminütigen Kampfzeit gelangen dem Südbadener zwar noch eine Einser- und eine Zweierwertung in den letzten zehn Sekunden. Aber es reichte nicht ganz zu Bronze. Weil es im Ringen zwei Kämpfe um Platz drei gibt, wurde Schäfle Fünfter.

 

Quelle:Badische-Zeitung                                                                                                                                                                              18.02.2020

Zwei Freiburger bei der Ringer-EM

Die Ehrgeizige und der Zerstörer

Dass zwei Ringer aus Freiburg bei einer Europameisterschaft starten, hat es lange Zeit nicht mehr gegeben. Aber nun ist es der Fall. Ellen Riesterer (21) und Lars Schäfle (20) von der RKG Freiburg sind bei den Titelkämpfen in Rom dabei, die diese Woche stattfinden. Die beiden Studenten und Freistilringer haben viel gemeinsam – aber es gibt auch Unterschiede.


» Familientradition: Ringen ist ein Randsport, zu dem Kinder fast immer über den ringenden Vater finden. So auch bei Ellen Riesterer und Lars Schäfle. Klaus Riesterer war zu seiner aktiven Zeit vier Mal deutscher Meister und nahm an der Freistil-WM 1990 in Tokio teil. Zudem ist er Breitensportreferent beim Deutschen Ringer-Bund. Lars Schäfles Vater Hartmut Leiber stammt aus Furtwangen, er kam erst mit 15 Jahren zum Ringen – und in seiner Studienzeit zum SV Freiburg-Haslach. Leiber kämpfte im klassischen Stil. Als Skilangläufer war er ein Kraft- und Konditionsbolzer. Selbstironisch bezeichnete er sich mal als "besten Null-Griff-Ringer der Bundesliga". Klaus Riesterer und Hartmut Leiber freundeten sich während der Studienzeit an. Beide wurden Lehrer – und beide sind Patenonkel eines der drei Kinder des anderen: Klaus Riesterer bei Lars Schäfles jüngerer Schwester Sophia, Hartmut Leiber bei Ellen Riesterers älterem Bruder Michel.

 

Mitgift der Väter: Ihre ersten Schritte auf der Ringermatte machten Ellen Riesterer und Lars Schäfle mit acht Jahren gemeinsam – in der Freiburger Vigeliushalle. "Wir verstanden uns gut, auch weil sich die Familien gut verstanden", sagt Ellen Riesterer. Als sie mit ihrer Familie wegen eines Job-Angebots ihres Vaters für acht Jahre nach München zog, nahm der Kontakt naturgemäß ab. "Jetzt begegnen wir uns fast nur noch am Olympiastützpunkt beim Training", so Ellen Riesterer, die von ihrem Vater vor allem die systematische Wettkampfvorbereitung übernommen hat. Und was hat Freistilringer Lars Schäfle von seinem im griechisch-römischen Stil ringenden Vater geerbt? "Die Kraft, die Kondition und den Haarausfall", sagt der 20-Jährige lächelnd.

 

» Schlüsselmomente: Mädchen dürfen in Deutschland bis zum zwölften Lebensjahr gegen Jungen ringen. Bei einem Mannschaftskampf in Bayern, Ellen Riesterer war zehn Jahre alt, brüstete sich ein Junge vor dem Wiegen: "Vier Teampunkte haben wir schon sicher, denn ich kämpfe gegen ein Mädchen." Er sollte sich irren: Nach einer Minute hatte ihn Ellen Riesterer besiegt. Bei Kämpfen gegen ihre Geschlechtsgenossinnen war sie ohnehin kaum zu schlagen. Lars Schäfle war hingegen nicht das überragende Talent, in Kinder- und Jugendzeit waren andere besser. Bei einem Teamkampf in Renchen, Schäfle war zwölf Jahre alt, kugelte er sich den Ellenbogen aus, musste operiert werden und fiel neun Monate lang aus. "Das war hart, aber vielleicht war die Pause letztlich gar nicht schlecht", sagt er nun.

 

Charakterisierung: Wie charakterisiert der eine EM-Teilnehmer den anderen? Lars Schäfle sagt über Ellen Riesterer: "Sie ist ausgesprochen ehrgeizig, sehr kampfstark – und sie hasst es, zu verlieren." Was die 21-Jährige bestätigt: "Ja, Lars hat mit seiner Einschätzung Recht." Abitur mit 1,0; jetzt Studium der Zahnmedizin; dazu unter anderem EM-Gold als 16-Jährige bei den Jugendlichen (Kadetten), Bronze bei der U-23-EM und Silber bei der Juniorinnen-WM. Ein (männlicher) Ex-Trainingspartner meint: "Ellen ist zäher als das zäheste Steak." Und was sagt die junge Frau über Lars Schäfle? "Er ist sehr fleißig – und ein Zerstörer. Je länger der Kampf dauert desto stärker wird er." Was der deutsche Männer-Meister in der Gewichtsklasse bis 86 Kilo von 2018 unterstreicht. "Ellen hat mich gut charakterisiert", so der 20-Jährige, der ein Sport-Stipendium in den USA erhalten hat und seit Herbst 2019 Betriebswirtschaftslehre an der Universität von Buffalo im Bundesstaat New York studiert.

 

» EM-Bedeutung für Schäfle: "Das ist der bisherige Höhepunkt meiner Ringer-Laufbahn", sagt Lars Schäfle, "denn es ist meine erste Nominierung für eine internationale Meisterschaft bei den Aktiven". Dafür macht er auch "Miles and more". Ende Januar flog er von den USA nach Deutschland. Beim sogenannten Auskämpfen setzte er sich in Aschaffenburg gegen Johannes Deml durch, damit war das EM-Ticket gelöst. Am 5. Februar ging’s in die Vereinigten Staaten zurück, weil der Trainer der Uni von Buffalo nicht wollte, dass der junge Deutsche viel Unterrichtsstoff verpasst. Am Dienstag kam er wieder nach Deutschland, am Donnerstag wartet der Flieger nach Rom, wo er am Samstag – und bei günstigem Turnierverlauf auch am Sonntag – kämpft. Am Montag geht’s von Rom aus wieder zurück in die USA. Für die im März und Mai anstehenden Olympia-Qualifikationsturniere ist Schäfle nicht vorgesehen, sondern der amtierende deutsche Meister Ahmed Dudarov.

 

» EM-Bedeutung für Riesterer: Die Freiburgerin startet an diesem Mittwoch und eventuell am Donnerstag in der Klasse bis 55 Kilo. "Ich schiele Richtung Medaille", sagt sie. Die EM zählt indes nicht als Olympia-Qualifikation. Wichtiger sind deshalb für sie die Olympia-Qualiturniere, bei denen sie in der Klasse bis 50 Kilo ringen wird. Bei der WM 2019 fehlten Riesterer im entscheidenden Kampf neuneinhalb Sekunden zur Qualifikation für Tokio. Nun muss sie den Umweg machen. Was die Ehrgeizige und Geradlinige gar nicht mag.

 

Quelle: Badische-Zeitung

Foto links: Caliskan

Foto rechts: Patrick Seeger

12.02.2020