Die Geschwister Lars und Sophia Schäfle gehören zu den besten Freistilringern Deutschlands. Bald starten sie in Zagreb erstmals gemeinsam bei einer Weltmeisterschaft. Sophia Schäfle kann sich noch ganz genau erinnern. „In meiner Familie haben ohnehin alle gerungen – und weil ich in Gesellschaftsspielen immer so eine schlechte Verliererin war, hat mich meine Mutter zum Ringen geschickt, damit ich das Verlieren lerne“, erzählt die 22-jährige Freiburger Ringerin. Doch anstatt zu verlieren, lernte Schäfle zu gewinnen.
Bruder Lars stand damals bereits seit vier Jahren auf der Matte. Und war durch seinen Vater Hartmut zum Ringen gekommen. Hartmut Leiber ist in der Region kein Unbekannter, er trat selbst lang bei den großen Clubs Südbadens an und ist aktuell Vorsitzender der RKG Freiburg. Das Ringen haben die Geschwister Schäfle also von klein auf aufgesogen.
Und früh übt sich bekanntlich erfolgreich. Heute gehören Lars und Sophia Schäfle zu den großen Hoffnungen Deutschlands. Bei der Weltmeisterschaft im kroatischen Zagreb (13. bis 21. September) werden sie an den Start gehen. Als amtierende deutsche Meisterin und amtierender deutscher Meister hoffen sie, in die Medaillenränge zu kommen. Griffkunst made in Breisgau.
2025 ist bisher ein gutes Schäfle-Jahr
Wie aber ist das so – als Geschwister Spitzensport zu betreiben? „Es ist eine klassische Geschwisterliebe“, sagt Lars Schäfle, der in der kommenden Woche 26 Jahre alt wird. „Besonders schön ist, dass man sich bei Erfolgen gemeinsam freut und Niederlagen gemeinsam verarbeiten kann“, ergänzt Schwester Sophia, die ihre erste WM bei den Aktiven bestreitet.
Und freuen konnten sich beide dieses Jahr viel. Anfang Juni gewannen sie am selben Tag die deutsche Meisterschaft – Sophia in der Gewichtsklasse bis 68 Kilogramm, Lars in der 92-Kilo-Klasse. Für Lars war es bereits der vierte Titel bei den Aktiven, für Sophia der erste. Ein Geschwister-Ausrufezeichen der besonderen Art. Zumal Sophia bei ihrer ersten Europameisterschaft im Aktivenbereich noch einen fünften Platz folgen ließ. 2025 ist bisher ein gutes Schäfle-Jahr.
Die Geschichte hinter dem doppelten DM-Titel ist eine besondere. „Vergangenes Jahr haben wir uns beide zusammen sehr über unseren Auftritt bei der deutschen Meisterschaft aufgeregt“, erzählt Lars. Er war damals knapp im Finale, Sophia bereits früher gescheitert. „Und da haben wir uns gemeinsam vorgenommen, es kommendes Jahr besser zu machen.“ Gesagt, getan. Im Hause Schäfle hält man Wort.
Durch Corona wurde Lars Schäfles USA-Aufenthalt gestoppt
„Und für unsere Eltern ist das auch praktisch“, erklärt Lars, der selbst länger in Zagreb bleiben wird, um dort nach verrichteter Arbeit seine Schwester anzufeuern. Anstatt zwei Kindern an unterschiedlichen Orten zuzujubeln, reicht für die Eltern der Ringer-Geschwister meist eine Reise.
Lars Schäfle hat eine interessante Karriere hingelegt. Bereits mit sechs begann seine Mattenzeit, am Anfang noch nicht übermäßig erfolgreich. Über den Freiburger Olympiastützpunkt brachte ihn sein Sport später bis an die University of Buffalo, wo er eine Saison mit Sportstipendium antrat. Wegen Corona kam er früher zurück als geplant. Seit er zurück ist im Breisgau, trainiert er wieder am OSP und verfolgt sein Studium der Ingenieurswissenschaft in Furtwangen. Bisheriger Karrierehöhepunkt: die Bronzemedaille bei der U-23-Weltmeisterschaft im Jahr 2021. Chancen auf Olympia 2028? Durchaus berechtigt.
Sein Meistertitel im Juni kam unerwartet. Denn Anfang des Jahres hatte sich Schäfle das Außenband gerissen. Von 86 wechselte er anschließend auf 92 Kilo. Kommende Saison geht es wieder runter. Denn olympisch ist nur die 86-Kilo-Klasse. Mit weniger Gewicht will Schäfle dann hoch hinaus. In dem zwei Jahre jüngeren Joshua Morodion hat er inzwischen aber einen deutschen Konkurrenten auf Augenhöhe. Morodion startet bei der WM in Zagreb im Limit bis 86 Kilo.
Hoch hinaus will auch Lars Schäfles Schwester. Sophias Karriere verlief rasant. Auch sie sammelte in der Jugend Titel nach Titel. Höhepunkt hier: die Silbermedaille bei der U-20-Europameisterschaft im Jahr 2023. Schäfle verbindet Spitzensport mit einer Ausbildung bei der Polizei in Lahr.
Und so haben sich die Geschwister in Freiburg die perfekten Bedingungen geschaffen, um ganz oben anzukommen. In Zagreb wollen sie nach den Medaillen greifen.
Aus Badische Zeitung: Jakob Schönhagen, 03.09.2025